Der Spion-Buchtipp: Philipp Bobrowski "Das Lächeln der Kriegerin"

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Cover von Philipp Bobrowskis Fantasy-Roman
28.05.2008

Der Rostocker Autor legt mit "Das Lächeln der Kriegerin" einen Debütroman vor, der besonders bei Fantasy-Fans gut ankommen dürfte. Das Buch ist jedoch weit mehr als nur eine unterhaltsame Abenteuergeschichte aus der Welt der Sagen und Mythen.

Philipp Bobrowskis Debütroman ist eine Fantasy-Geschichte mit allem Drum und Dran: Im Anhang des satt-roten Buches finden seine Leser eine Landkarte von Ostlaindor, dem Land, in dem die Geschichte der jungen Heldin Lothiel spielt. Auch an ein Register hat der Rostocker Autor gedacht. Die Liste der gelungenen, wohlklingenden Orts- und Charakternamen zeugen von einer komplexen Geschichte aus einer anderen Welt.

Krieg in Ostlaindor

Und diese liest sich in der Kurzfassung wie folgt: Nach langer Zeit der Idylle und des Friedens wird Ostlaindor erneut von einem Krieg überzogen. Der schreckliche Feuermeister Naurhir will mit seinem riesigen Heer bis zur Köngisstadt Arminas vordringen und das Land um jeden Preis zurückerobern. Lothiel, die 15-jährige Tochter des ehemaligen, angesehenen Bogenschützen Adar, erfährt die furchtbare Nachricht, als sie den verletzten Boten Rochon in der Nähe ihres abgeschiedenen Elternhauses findet. Dieser hatte sich von der Grenzfeste im Osten des Landes auf den Weg gemacht, um die Königin zu warnen.

Lothiel bringt den Schwerverletzten und sein Pferd zum Haus ihrer Eltern. Doch kann Lothiels Vater Rochons dringende Aufgabe nicht übernehmen, denn er selbst wurde bei einem Raubüberfall verletzt. So liegt es schliesslich an Lothiel, die Nachricht rasch weiterzutragen. Bis zum nächsten Ort soll das Mädchen reiten und dort einen neuen Boten finden. Als die Tapfere in Waldruh auf taube Ohren stösst, entschliesst sie sich kurzerhand, selbst bis nach Arminas zu reiten.

Ein Bauernmädchen wird zur Kriegerin

Lothiels Abenteuer beginnt. Sie lernt, mit dem Schwert zu kämpfen, mit Pfeil und Bogen umzugehen, und schliesslich lernt sie auch das Töten und Vergelten. Bald schon verbreitet sich die Kunde von dem mutigen Bauernmädchen, das wegen seiner Entschlossenheit eine geschätzte Beraterin wird.

Das starke Geschlecht?

Die Macht der Frauen in Bobrowskis Roman ist erstaunlich. Dass er eine weibliche Heldin mit einem übergrossen Verantwortungsgefühl für ihr Land versieht, ist dabei noch nicht das Herausragende. In "Das Lächeln der Kriegerin" haben die Frauen all jene Eigenschaften, die man in der Extremsituation Krieg braucht: vermeintlich männliche nämlich. Mut, Entscheidungsfreudigkeit und kriegerisches Geschick werden hier den Frauen zugeschrieben.

Besonders deutlich wird ihre Überlegenheit in der Gegenüberstellung mit ihren männlichen Gefährten: Der Bauernjunge Selldur wird Lothiel als Begleiter zur Seite gestellt. Im Gegensatz zu dem Mädchen ist er nicht nur ungeschickt im Umgang mit Pfeil und Bogen, sondern auch ängstlich, harmoniesüchtig und langsam. Lothiel dagegen weiss, wann es klüger ist, sich Befehlen zu widersetzen und wann es auf schnelles Handeln ankommt: Gleich zu Beginn kommt sie ihrem Vater gegen dessen Willen zu Hilfe, als dieser von Räubern überwältigt wird. Damit rettet sie Adar das Leben.

Doch Bobrowskis Hauptfigur ist nicht die einzige starke Frau in der Geschichte: Königin Araniel zieht höchstpersönlich in den Kampf, und auch die Grafentochter Ostwen kämpft am Ende von "Hass getrieben" und "wie eine Löwin". Die Männer glänzen im Kampf dagegen über weite Strecken mit relativer Abwesenheit.

Pfeile und Tränen

Bobrowski übertreibt hier aber nicht. Seine Lothiel mutiert keineswegs zum gefühlskalten, blutrünstigen Mannsweib. Es fliessen ebenso viele Tränen, wie Pfeile fliegen.

Zudem muss die junge Kriegerin nicht nur gegen die maskierten Männer von Nauhrirs Heer, sondern auch mit ihrem Gewissen kämpfen. Vielleicht meint der Autor genau jenen Gewissenskonflikt, wenn er sagt, Lothiels Geschichte habe den spielerischen Umgang mit Fragen zugelassen, die ihn selbst schon lange bewegten. Konsequent konfrontiert der Autor seine Heldin mit der Tatsache, dass sich hinter der Furcht einflössenden Maske des Feindes ein fühlendes Individuum verbirgt, eines, das letztlich genau wie sie selbst im Dienste einer höheren Macht kämpft, obwohl es den Krieg und das Töten im Inneren vielleicht ablehnt.

Spannend und stimmig

Ebenfalls konsequent hält Bobrowski ein gewisses Misstrauen aufrecht, das sich durch Lothiel im Leser fortsetzt. Gegenüber einigen Charakteren baut er Erwartungen auf, hütet sich aber, diese zu erfüllen. So ist jedes Wiedersehen mit den betreffenden Figuren hochspannend. Zudem unterstreicht er auf diese Weise einmal mehr die Überlegtheit und die kluge Vorsicht seiner Heldin.

Die Welt, die Bobrowski in "Das Lächeln der Kriegerin" erschafft, ist schlüssig; die Sprache, mit der er sie vermittelt, ist klangvoll und stimmig. Noch dazu gelingt hier der Spagat zwischen spannender Fantasy-Action und ganz irdischen Bedenken und Konflikten. So macht Fantasy Spass.

Philipp Bobrowski »Das Lächeln der Kriegerin« Roman. (Hinstorff, 2008).

(sh)
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