Mobbing im Netz: Die dunkle Seite des Web

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14.02.2009

Wer heute nicht im "Web 2.0" vertreten ist und das Netz mit eigenen Inhalten füllt, gilt schon fast als Außenseiter. Zumindest unter Jugendlichen.

Genau zwei der rund neunzig versammelten Schüler der Sekundarschule Barleben meldeten sich am Donnerstag auf die Frage des Landesdatenschutzbeauftragten Harald von Bose, wer denn nicht in einer "Social Community" vertreten sei. Für ihre Offenheit ernten sie obendrein spöttisches Gelächter der anderen.

Dass gerade das Mitmachen in sozialen Netzwerken wie "schueler.cc" oder "studiVZ." sozialen Ausschluss und sogar Diskriminierung bedeuten kann, war der Anlass des Besuchs des Datenschutzbeauftragten in Barleben. Zum "Safer Internet Day", der am Dienstag in mehr als vierzig Ländern stattfand, warnte von Bose die 14- bis 19-Jährigen vor den Risiken im Umgang mit dem Internet - speziell vor den Gefahren des sogenannten Mitmach-Web.

Diskriminierung im Internet mit fatalen Folgen

Gerade Web 2.0-Dienste wie "YouTube", "FlickR", "MySpace" oder "SchülerVZ" brächten eine neue ganz Form der Diskriminierung unter Jugendlichen hervor. Immer mehr Schüler würden heute Opfer des "Cyber Mobbing", betonte von Bose. Andere auf peinlich wirkenden Fotos zu verlinken, sei nur ein Weg der Bloßstellung. Auch durch das Hinterlassen übler Kommentare auf digitalen Pinnwänden oder den Ausschluss von Freundeslisten würden Schüler heute gemobbt.

Das Hochladen peinlicher Fotos sei untereinander schon zur Regel geworden, sagt der 18-jährige Martin. "Viele reagieren mit einem Spruch oder eben weiteren Verlinkungen als Retourkutsche." Er selbst habe einmal ein Foto von sich auf "studiVZ" gefunden, das ihn betrunken zeige. Dank einer kurzen Nachricht an die Administratoren der Seite verschwand das Bild bald aus dem Netz. Aber nicht nur Fotos würden als Mittel der Bloßstellung missbraucht, weiß Martin. Eine Freundin von ihm habe auf "studiVZ" die Gruppe "Hasse Jane" gegründet, die sich an eine unbeliebte Mitschülerin richtet.

Datenschutz ist ein wichtiges Thema für Jugendliche

Hinsichtlich dieser Entwicklungen müsse das Datenschutzbewusstsein der jungen Online-Generation gestärkt und Schüler gezielt auf ihre Persönlichkeitsrechte hingewiesen werden, forderte von Bose. "Nicht alles was geht, ist auch erlaubt". Die ungefragte Veröffentlichung von Fotos etwa verletze die Privatsphäre der Betroffenen. Opfer könnten sich daher rechtlich zur Wehr setzen. Bevor jedoch ein Anwalt eingeschaltet werde, sollten sich Schüler zunächst an ihre Eltern oder Lehrer wenden.

Ob dieser Ratschlag bei den Schülern ankommt, bleibt jedoch fraglich. Martin jedenfalls kann sich nicht vorstellen, seine Eltern um Hilfe zu bitten: "Wenn ein Foto von mir im Netz steht, das mich betrunken und mit einem Mädel im Arm zeigt, rufe ich bestimmt nicht meine Mutter herbei." Noch peinlicher wäre es, sagt er, wenn sich seine Eltern bei dem jeweiligen Mitschüler beschweren würden. Dass das Anliegen des Landesdatenschutzbeauftragten bei seinen Mitschülern
angekommen ist, bezweifelt er deshalb. "Das Mitmach-Internet ist schon zu sehr eine Sache meiner Generation geworden - da sind Ratschläge von außen nicht viel wert." (ddp/AG)
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